Wie heiß wird es wirklich im Auto?

Im Sommer wird das Auto schnell zum Backofen. Das kann unangenehm sein, aber auch gefährlich. Wie heiß es wirklich wird und was man dagegen tun kann, erfahren Sie hier.
Marlene Dorn 28. August 2018

Lesezeit: 5 Minuten
 

Die Hitzewelle ist vorbei, der Sommer ist es nicht. Und obwohl sich so jeder weiter an Sonne, Spaß und Eiscreme erfreuen kann, sieht es im Auto oft anders aus: Dieses wird nämlich schnell zum metaphorischen Backofen

Wer sein Auto in der Sonne stehen lässt, muss sehr schnell mit hohen Temperaturanstiegen rechnen. Innerhalb der ersten 5 Minuten steigt die Temperatur im Auto (bei einer Ausgangstemperatur von 30°C) um 4°C, nach einer halben Stunde schon um 16°C, also insgesamt 46°C. So steigt die Innentemperatur in nur eineinhalb Stunden schnell mal auf über 60°C. Durch das ganze sich erhitzende Metall am Auto ist der Vergleich mit einem Backofen wirklich nicht weit hergeholt. Auch die großen Fenster eines Autos fördern den Effekt.


Wie gut sich ein Auto als echter Backofen, beziehungsweise zum Kochen, eignet, haben wir sogar getestet. Hier ist das Ergebnis:

Tatsächliche Temperatur kann variieren

60°C nach eineinhalb Stunden können sogar optimistisch sein. Andere Messungen berichten von 83°C nach nur 45 Minuten. Je nach Bedingungen erhitzt sich das Auto nämlich schneller oder langsamer.


Zu den entscheidenden Kriterien gehören:

  • Farbe des Autos: Dunkle Autos erhitzen sich schneller als helle Autos. Und nach einer dreiviertel Stunde ist der Unterschied bereits deutlich, mit fast 15°C Unterschied zwischen einem dunkelblauen und einem weißen Fahrzeug.
  • Untergrund: Auch der Untergrund, auf dem das Auto steht, spielt eine Rolle. Wer in einer Asphaltwüste parkt, ist deutlich im Nachteil. Asphalt nimmt Hitze besonders gut auf, was sich wiederum auf das parkende Fahrzeug auswirkt. Kies oder oder gar Erde ist dagegen besser geeignet.
  • Größe des Fahrzeuges: Der Unterschied mag nicht gigantisch sein, aber große Autos erhitzen sich weniger schnell als kleine. Das liegt daran, dass sich die Hitze in größeren Autos besser verteilen kann.
  • Tageszeit: Je nach Stand der Sonne strahlt sie unterschiedlich stark. Im Sommer ist es in Österreich zwischen Mittag und späten Nachmittag besonders schlimm, sodass sich dann das Auto am schnellsten erwärmt.

Lebensgefahr für Insassen

Kinder und Haustiere lässt man gerne mal im Auto, während man schnell was erledigt, wie den Einkauf. Das ist allerdings alles andere als eine gute Idee: Schon ab 46°C kann es für Kinder im Auto lebensgefährlich werden. Zur Erinnerung: Das ist gerade einmal eine halbe Stunde in der Sonne, bei optimistischen Bedingungen. Nicht umsonst gibt es jährlich Tote. Kinder schwitzen nämlich weniger als es Erwachsene tun und können sich so nicht abkühlen. 


Bei Haustieren wie Hunde und Katzen ist es noch schlimmer. Sie besitzen nämlich überhaupt keine Schweißdrüsen, wodurch es für sie schon früher kritisch wird.


Doch es muss nicht gleich um den Tod gehen, damit die Hitze gefährlich wird. Auch Kreislaufprobleme und starke Dehydrierung kann durch die Hitze im Auto ausgelöst werden. Wer länger im sonnengeheitzen Auto festsitzt oder seine Liebsten darin zurücklässt, muss schnell einmal mit einer Fahrt ins Krankenhaus rechnen. Im “Backofen” sitzen zu bleiben ist daher niemals gut. Auch das Fenster offen lassen ist keine Lösung. Das offene Fenster hat nämlich keine Chance gegen die starken Sonneneinstrahlungen im Sommer.


Zusätzlich zu den gesundheitlichen und teils fatalen Folgen, können nachlässige Eltern und Tierbesitzer zusätzlich mit rechtlichen Strafen rechnen. Erst kürzlich wurde ein Elternpaar wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, sodass sie nicht nur unter ihrem Verlust litten, sondern auch rechtlich bestraft wurden.


Insgesamt lautet die Faustregel ganz einfach: Nichts was lebt, jemals im Auto zurücklassen. Und keine Ausreden.

Auch Gebrauchsgüter sind betroffen

Darüber hinaus sollten auch keine Behälter unter Druck, wie beispielsweise Deodorants oder Haarspraydosen, zurückgelassen werden. Wer damals im Unterricht aufgepasst hat, weiß nämlich, dass sich Hitze ausdehnt. Im Falle von Deodorants und Co. kann das sogar zur Explosion führen. Bestenfalls ist dann das Auto komplett dreckig, schlimmstenfalls kann es sogar zu einem Feuer und Schäden am Auto kommen.


Auch Einkäufe sollte man nicht zurücklassen. Gerade Lebensmittel wie Eier, Fleisch, Fisch und Milchprodukte leiden sehr und schnell unter der Hitze. Den Gestank und das verschwendete Geld lässt sich allerdings leicht vermeiden: Einfach nichts liegenlassen.

Tipps und Tricks gegen die Auto-Hitze

  • Sonnenschutz-Abdeckung kaufen: Wer Glasflächen mit einer siberbeschichteten Sonnenschutz-Matte abdeckt, ist klar im Vorteil. Die silberne Beschichtung reflektiert das Licht, sodass es nicht ins Auto eindringen kann. Solche Abdeckungen gibt es auf Amazon schon ab rund 15 Euro, wer das dennoch aber nicht bezahlen will, kann sich auch eine basteln. Einfach eine große Abdeckung aus Karton zuschneiden und unter die Windschutzscheibe legen.
  • Durchlüften: Bevor man wieder einsteigt, sollte man erst mal durchlüften. Einfach ein bis zwei Minuten alle Türen öffnen. Danach ist das Einsteigen auch gleich erträglicher.
  • Bei heißem Lenkrad: Besonders unangenehm ist es, wenn das Lenkrad beim Wiederlosfahren noch brennend heiß ist, man es aber nun mal nicht loslassen darf. Dagegen helfen allerdings zwei einfach Tricks. 
    • Man kann das Lenkrad vorm Aussteigen einfach umdrehen. So ist der Teil, den man eher angreift, weniger heiß, da die Sonne nicht direkt draufscheint. 
    • Noch mehr hilft es aber, das Lenkrad einfach mit einem Tuch abzudecken. Man kann ganz einfach eins in das Handschuhfach stecken und es zum persönlichen “Lenkrad-Tuch” machen, das immer im Auto dabei ist. Auch für Kindersitze ist dieser Tipp sinnvoll.
  • Gurte überprüfen: Es kommt nicht selten vor, dass man sich an den Gurten verbrennt, wenn die Sonne zu lang darauf geschienen hat. Gerade bei Kindern passiert das häufiger, da ihre Haut empfindlicher ist. Deswegen sollten Eltern immer erst die Gurte der Kinder überprüfen, um unnötige Verletzungen zu vermeiden. Sollten die Gurte zu heiß sein, lieber noch ein paar Minuten durchlüften.
  • Schattenparkplatz: Ja, sie sind hart umkämpft, die Schattenparkplätze. Wer trotzdem Zugriff auf einen hat, sollte das aber ausnutzen. Man sollte allerdings auch bedenken, dass sich die Sonne und damit der Schatten dreht. Orten die vorher beschattet waren, sind es in zwei Stunden vielleicht nicht mehr. Wer besonders clever ist, kann so aber auch ahnen, wo später Schatten sein wird und es dorthin stellen. So kühlt das Auto wieder ein wenig ab, bevor man losfährt.

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