Die Wahrheit über den Dieselanteil in Österreich

12. Juni 2018
Die Tageszeitung “Der Standard” berichtet in der heutigen Ausgabe von einem Einbruch des Dieselanteils in Österreich. So legte der Anteil von Benzinern in den letzten 5 Monaten um 23,4 Prozent zu, jener des Diesels brach um 17,6 Prozent ein. AUTOGOTT.AT Zahlen zeigen nun, dass die Auswirkungen auf das Kaufverhalten noch viel deutlicher sind.
Stefan Novotny

Laut “Standard” lag der Dieselanteil im Vorjahr (2017) noch bei 51,5 Prozent, heuer schrumpfte er auf 41,4 Prozent. Dies ist ein deutlicher Rückgang und zeigt einmal mehr die Verunsicherung, die das Dieselthema bei den Käuferinnen und Käufern hinterlässt. Die Analyse des Themas anhand der Zulassungsstatistik alleine ist allerdings für die Gesamtbetrachtung der Thematik nur eingeschränkt sinnvoll. 

Das Problem der verwendeten Daten: In der Zulassungsstatistik, die als Basis für die Analyse verwendet wurde, sind auch taktische Kurzzulassungen enthalten sind.  Die tatsächliche Nachfrage der Konsumentinnen und Konsumenten wird somit nur eingeschränkt abgebildet

Der Unterschied wird nach Analyse der AUTOGOTT.AT Zahlen deutlich. Die Basis für die AUTOGOTT.AT Analyse sind über 30.000 vollständige Neuwagenkonfigurationen monatlich. Wir zeigen somit für welche Fahrzeuge sich die Österreichischen Konsumentinnen und Konsumenten tatsächlich interessieren. 

Die Zahlen von AUTOGOTT.AT sprechen eine noch deutlicher Sprache

Auf der einzigen markenübergreifenden Neuwagenplattform in Österreich konfigurieren tausende Autointeressentinnen und Interessenten ihr Wunschfahrzeug. Diese Konfigurationen enthalten unter anderem auch den gewählten Treibstoff. 

Der Dieseltrend in Österreich

Seit Bekanntwerden des Dieselskandals verliert der Diesel stetig Marktanteil in Österreich. Wird in den Medien häufiger über den Diesel berichtet, sinkt der Marktanteil dementsprechend stärker.
Von Jänner 2017 bis Mai 2018 sank der Anteil der Dieselkonfigurationen von 42 Prozent auf 31 Prozent. Seit September 2017 stagniert der Anteil bei circa 30 Prozent. Am Beginn des Dieselskandals (November 2015) lag der Dieselanteil bei Neuwagenkonfiguration noch bei 51 Prozent. Stattdessen setzten Autokäufer nun verstärkt auf Benzin, aber auch auf alternative Antriebsarten.

Der Effekt auf den Konsumenten ist somit noch stärker ausgeprägt, als es die Zulassungsstatistik und die Darstellung in den meisten Medien vermuten lässt. AUTOGOTT.AT bezieht die Daten ausschließlich aus Konfigurationen von Privatpersonen. Die Daten der Statistik Austria enthalten auch die Zulassungen von Firmenkunden. In diesem Segment liegt der Dieselanteil aufgrund der Fahrprofile immer höher. 

Für die Konsumentin und den Konsumenten bedeutet diese Situation höchstwahrscheinlich einen Markt voller Schnäppchen. Wenn Dieselfahrzeuge trotzdem Ladenhüter bleiben, bringt das nur schöne Zahlen für jede Zulassungsstatistik, mehr aber nicht.

Tageszulassungen: Die Hassliebe jeder Statistik

Tageszulassungen sind Neuwagen, die von den Autohändlern kurz angemeldet werden. Das hat zum einen den Zweck, dass man zum einen die Zulassungsstatistik beinflusst und zum anderen auf die betreffenden Fahrzeuge höhere Rabatte gewähren kann. Kann eine Marke einen Neuzulassungszuwachs vermelden, bleibt dies bei der Durchschnittlsleserin und dem Durchschnittsleser als positive Meldung im Hinterkopf. Tatsächlich sagt dies nichts über einen Erfolg der Marke aus, da das Fahrzeug noch lange nicht verkauft ist. Die Garantielaufzeit beginnt übrigens im Falle einer Tageszulassung mit der Erstanmeldung zu laufen.

Die Autowirtschaft hat mit den Tageszulassungen ein Instrument geschaffen, die Zulassungsstatistiken zu beeinflussen und zu ihrem zu steuern

Mit der Einführung des neuen WLTP Standards zur Verbrauchsberechnung mit September 2018, wird die Situation nochmals verschärft. Ab diesem Zeitpunkt dürfen nur noch Motoren mit Euro 6c Technologie oder besser neu zugelassen werden. Wir erwarten aus diesem Grund einen rasanten Anstieg von Tageszulassungen im Sommer. Ein Auto, das bis dahin noch nicht zugelassen war und die Euro 6c Norm nicht beherrscht, darf in der EU nicht neuzugelassen werden.

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