Kommt der verpflichtende Speedlimiter?

(Update) Man stelle sich vor, man kann mit dem eigenen Auto nicht mehr so schnell fahren, wie man möchte? Soweit wird es zwar nicht kommen, ein sogenannter Speedlimiter soll trotzdem bald zur Pflicht werden.
Stefan Novotny 07. April 2020
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Es gilt bereits als beschlossene Sache, dass ab 2022 in der EU der verpflichtende Einbau von Speedlimitern kommt. Das betrifft alle Fahrzeuge, die ab 2022 neu zugelassen werden. Die Aufregung ist groß, in den Foren wird heftig diskutiert. Doch was steckt wirklich dahinter?

Speedlimiter ist nicht gleich Speedlimiter. Es handelt sich hierbei um eine Funktion in einem ganzen Paket. Intelligent Speed Assistance (ISA) heißt die technische Applikation in der Fachsprache. Sie verspricht mehrere Dinge:

  • Mithilfe von GPS Daten kann das System erkennen, wie hoch die erlaubte Geschwindigkeit ist, wo man gerade unterwegs ist.
  • Der Speedlimiter drosselt dann die Motorleistung, dass man die erlaubte Höchstgeschwindigkeit nicht überschreitet.
  • Das System kann Verkehrszeichen erkennen und lesen.
  • Ähnlich wie man es aus den Flugzeugen kennt, hat dann auch jedes Auto eine Blackbox an Bord, die Daten speichert, die bei Unfällen zur Aufklärung beitragen sollen.
  • Spurhalte- und Notbremsassistent umfassen dieses Paket ebenfalls.

Hintergrund

Viel zu viele Unfälle gehen auf eine überhöhte Geschwindigkeit zurück. Je höher die Geschwindigkeit eines Fahrzeuges beträgt, desto größer ist der Schaden bei einem Unfall. Ein Unfall durch Drängeln, worüber wir in einem unserer letzten Artikel berichtet haben, kann so nicht mehr passieren. Diese EU-Vorgabe soll also keineswegs Autofahrerinnen und Autofahrer ärgern. Es soll einzig und alleine der Verkehrssicherheit dienen. Die EU verfolgt hier ganz konkrete Ziele. Bis zum Jahr 2038 sollen 140.000 schwere Verletzungen und 25.000 Verkehrstote auf den Straßen vermieden werden. Ab 2050 soll diese Zahl gar auf 0 sinken. Das sind ambitionierte Ziele, die mit Hilfe der Fahrzeug-Assistenten erreicht werden sollen. 

Automatisiertes Fahren wird zur Pflicht

Wie wir bereits aus unserem Schwerpunkt #StraßenDerZukunft wissen, ist automatisiertes Fahren die Vorstufe zum autonomen Fahren. Bis die Autos auf Europas Straßen wirklich autonom unterwegs sein können, ist es noch ein sehr langer Weg. Seit kurzem darf man in Österreich auf Autobahnen allerdings automatisiert fahren. Bei Aktivierung eines Tempomaten, Abstandsassistenten und Spurhalteassistenten kann man auf der Autobahn unterwegs sein, ohne das Fahrzeug bedienen zu müssen. Die Technologie ist heutzutage schon so ausgereift, dass man sich bei Anwendung dieser keine Sorgen mehr machen muss. Man kann hier schon von einer Vorbereitungsmaßnahme zur Autonomen Mobilität sprechen.

Intelligent Speed Assistance (ISA)

Mithilfe von GPS Daten und Verkehrszeichenerkennung wird die erlaubte Höchstgeschwindigkeit ermittelt und der Fahrerin oder dem Fahrer im Cockpit mitgeteilt. Sollte er sich nicht daran halten, bremst das Auto nicht automatisch ab. Die Motorleistung wird allerdings gedrosselt. Außerdem ertönen akustische und visuelle Warnsignale. Herr des eigenen Autos ist man trotzdem weiterhin. So darf man für Überholmanöver trotzdem schneller fahren. Zu langsame Überholmanöver können auch gefährlich sein. Will man den Speedlimiter nicht verwenden, kann man ihn jederzeit deaktivieren. Allerdings wird ISA bei jeder Inbetriebnahme des Autos wieder aktiviert.

Die Blackbox für das Auto

Wer kennt das nicht? Nach einem Flugzeugabsturz wird fieberhaft nach der Blackbox gesucht. Das hat einen wichtigen Grund: In ihr werden alle Daten gespeichert. Die letzten Minuten im Cockpit werden auf dieser aufgezeichnet. Die Unfallursache kann so herausgefunden werden und in Zukunft vermieden werden. So etwas Ähnliches soll nun auch in PKWs eingebaut werden. Die letzten Sekunden vor und nach einem Unfall werden aufgezeichnet. Die Ursache wird gefunden und die richtigen Schlüsse daraus gezogen. Das Verkehrsministerium (BMVIT) hat übrigens bestätigt, dass diese Daten an keine Versicherungen weitergeben werden und die letzten vier Stellen der Fahrgestellnummer unkenntlich gemacht werden. Datenschutz wird hier großgeschrieben.

Verpflichtende Fahrassistenten

Doch der Speedlimiter ist nicht der einzige Assistent, der verpflichtend in Neuwagen Platz finden muss. Auch einige (altbekannte) Assistenzsysteme werden zur Pflicht:

  • Müdigkeitswarner
  • Aufmerksamkeits-Assistent
  • Einparkhilfe hinten
  • Notbrems-Assistent
  • crashtesterprobte Sicherheitsgurte 
  • Spurhalte-Assistent
  • Automatischer Alkoholtester

Wer trägt die Kosten?

Laut Berechnungen werden die Autos durch den Einsatz dieser Technologie nicht erheblich teurer. Viele Modelle haben die ab 2022 vorgeschriebene Ausstattung schon jetzt eingebaut. Kauft man einen neuen Ford Focus oder Opel Crossland X, kommt man bereits in den Genuss eines Speedlimiters. Der Listenpreis soll sich laut EU-Kommission lediglich um bis zu 250 Euro pro Auto erhöhen. Der Grund für die verhältnismäßig geringe Preissteigerung lässt sich dadurch erklären, dass ein Großteil der erforderlichen Komponenten bereits heute in vielen Autos verbaut ist. Spurhalteassistenten, adaptive Tempomaten und Verkehrsschilderkennung sind bei weitem keine Seltenheit in Neuwagen.

Die EU bringt die Digitalisierung mit diesen Vorhaben schnell voran. In erster Linie soll es zu mehr Sicherheit auf den Straßen führen und dadurch zu weniger Verkehrstoten.
Aber werden wir dadurch entmündigt und können das Auto nicht mehr so steuern, wie wir es wollen? Sagen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren!

 

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