Wie eine umgebaute KTM zum Lebensretter wird

Immer mehr Österreicher und Österreicherinnen lassen ihr Auto stehen und genießen bei schönem Wetter lange Fahrten auf dem Motorrad. Das verspricht einen einzigartigen Fahrspaß, kommt aber auch mit einzigartigen Gefahren.
Stefan Novotny 07. Juni 2019

Gefahrenquelle Motorrad

2018 gab es nämlich 400 tödliche Verkehrsunfälle, davon betrafen 99 Motorradfahrer. Und viele davon sind schwierigen Straßenpassagen zu verschulden. Dabei gibt es nur ein Zehntel so viele Motorräder wie PKW. Aus diesem Grund hat sich das AIT (Austrian Institute of Technology) diesem Thema angenommen. Gemeinsam mit Wissenschaftern der TU Wien wurde eine Motorrad zu einem Labor auf Rädern umfunktioniert. Motorradunfälle sollen in Zukunft erheblich minimiert werden.
“Grundsätzlich sind in Österreich so circa im Jahr 4.000 Unfälle mit Personenschaden im Motorrad-Bereich oder mit Motorradbeteiligung und da ist unser Ansatz, dass da eigentlich jeder Unfall zu viel ist”, meint Klemens Schwieger vom AIT (Austrian Institute of Technology).

KTM 1290 Super Adventure

Und hier kommt die KTM 1290 Super Adventure ins Spiel. In einem gemeinsamen Projekt des AIT und der TU Wien wurde sie so umgebaut, dass sie gefährliche Stellen entdecken kann. Das Ergebnis war das “MoProVe” - das Motorcycle Probe Vehicle.
“Es ist ein weltweit einzigartiges Messmotorrad. Und zwar handelt es sich dabei um eine KTM 1290 Super Adventure, die wir dann gemeinsam mit der TU Wien umgebaut haben. Zum einen ist das 2D-System eingebaut worden, das ist ein spezielles System für den Motorradbereich und zum anderen wurde das VBOX-System [...] vom AIT hinzugefügt. Das sind zwei hochgenaue Messsysteme, die Fahrdynamikdaten aufnehmen und erfassen.”, sagt Schwieger zu den Messinstrumenten am Motorrad.

Labor auf zwei Rädern

Das bedeutet, dass die umgebaute KTM alles aufzeichnet, was ein Fahrer während der Fahrt macht. Möglich gemacht wird das durch ein GPS-Ortungssystem, Lenkwinkelsensoren, Kameras, Beschleunigungsmesser und vieles mehr. Somit wurde das Motorrad zu einem wissenschaftlichen Labor auf der Straße.
Blieb nur noch, das Motorrad auch auf die Straße zu schicken. Getestet wurden dabei nicht nur typische Motorradstrecken wie das Höllental, die kalte Kuchl oder der Exelberg, sondern auch drei Vergleichsstrecken.
Als Fahrer oder Fahrerin wurden insgesamt 6 Personen ausgewählt. Dabei wurde darauf geachtet, dass diese nicht nur unterschiedliche körperliche Merkmale haben, alle hatten auch unterschiedliche Fahrstile. Die Testfahrer und Testfahrerinnen sind dann die jeweilige Strecke mehrmals abgefahren.
Zusätzlich wurden Fahrer und Fahrerinnen angewiesen, in verschiedenen Fahrstilen zu fahren, um alle Fahrertypen zu berücksichtigen. Dabei gab es einen vorsichtigen, ein “normalen” und einen dynamischen, sportlichen Fahrstil.
“Diese ganzen Daten wurden gesammelt und ausgewertet. Die Auswertung wurde mit einem patentierten, neuartigen Algorithmus durchgeführt, und zwar ist dasein Deep Learning Algorithmus, der unterschiedliche Fahrer verschneidet und übereinanderlegt und versucht herauszufinden, wo Fahrdynamiken ähnlich sind wie an Unfallstellen.“, erklärt Schwieger die Verarbeitung der gewonnenen Daten.

Und tatsächlich: Der Algorithmus konnte präzise voraussagen, wo Motorradunfälle verstärkt auftreten. Das System hat Deckungsgleich die Stellen als Gefahrenstellen erkannt, auf denen davor schon Motorradunfälle passiert sind. Es wurden aber auch Stellen entdeckt, auf denen zuvor noch nichts passiert ist.
“Das ist deshalb wichtig, weil für die Sanierung von Unfallhäufungsstellen müssen zuerst all diese Unfälle passieren und die Menschen verletzt werden und wir finden dass wir mit der aktuellen Sensorik da durchaus schon einen Schritt weiter gehen können, um es erst gar nicht mehr zu diesen Unfällen kommen zu lassen.”, erklärt Klemens Schwieger die Intention des Projekts.

Was jetzt?

Was passiert also mit dem ganzen gesammelten Wissen? Zuerst einmal wird den Straßenbetreibern Bescheid gesagt, wo es ein besonders hohes Unfallrisiko gibt. Diese können dann proaktiv agieren und die betroffenen Straßenstellen sanieren. Im besten Fall wird also schon gehandelt, bevor Unfälle entstehen.
Zweitens kann man so Software entwickeln, die Motorradfahrer und -Fahrerinnen rechtzeitig warnt, sobald sie sich auf eine kritische Stelle hinbewegen.
Und zu guter Letzt kann dass AIT diese Daten verwenden, um Motorrad Assistenzsysteme weiterzuentwickeln. Dadurch kann man Fahrern und Fahrerinnen in Extremsituationen die extra Zehntelsekunden verschaffen, die sie benötigen um einen Unfall zu vermeiden.
So wurde eine KTM 1290 Super Adventure durch einige kluge Köpfe zum potenziellen Lebensretter gemacht. Proaktiv handeln, statt reaktiv, lautet ab jetzt die Devise. Ein Motto, dass man sich besonders bei der Verkehrssicherheit zu Herzen nehmen sollte. Denn wenn ein Unfall passiert, ist es schon zu spät.

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